Leere Versprechungen: Die “bunte” Vielfalt des Grauen Kapitalmarktes

Die Zeiten, um sein eigenes Kapital für sich arbeiten zu lassen, sind schlecht. Wer heute starke Renditen sucht, findet diese nur noch auf dem Grauen Kapitalmarkt. Nicht direkt illegal, dafür aber äußerst riskant.

Geprellte Anleger, die auf der Suche nach hohen Renditen Risiken übersehen, auf die falschen Leute vertraut hatten oder falsch beraten wurden, sind seit Jahren auf Hilfe angewiesen. In der aktuellen Niedrigzinsphase locken Angebote mit beträchtlichen Zinsen aus Finanzprodukten, die keiner direkten Aufsicht der Regulierungsbehörde unterliegen, Angebote aus dem sogenannten Grauen Kapitalmarkt. Legal sind diese Produkte, aber eben riskant. Nun kann man nicht behaupten, dass alle Initiatoren, die Ölbohrungen finanzieren wollen, ökologisch verträgliche Produkte herstellen möchten oder in Kanada in längst aufgegebenen Claims nach Gold suchen, Verbrecher sind. Aber es gibt sie, wie die Kriminalstatistik 2014 beweist. Der Kapitalanlagebetrug ist um 18 Prozent gestiegen, der Schaden der rund 7.500 Fälle summiert sich auf über 500 Millionen Euro.

Die schwarzen Schafe, die am Grauen Kapitalmarkt dafür sorgen, dass Anleger rote Zahlen schreiben, haben aktuell leichtes Spiel. Viele sehen die hohen, versprochenen Renditen und kaufen, ohne genau zu wissen, was sie kaufen. Die Lust auf hohe Zinsen vernebelt oft den Blick auf die Realität. Speziell wenn Anleger sogenannte Nachrangdarlehen zeichnen; vor denen warnen Verbraucherschützer von Flensburg bis Rosenheim. Denn im Insolvenzfall bekommen diese Gläubiger erst und nur dann ihr Geld zurück, wenn alle anderen Verbindlichkeiten gezahlt werden konnten.

Viele Anleger wähnen sich im Schutz des Kleinanlegerschutzgesetzes. Mit diesem Gesetz, das im Juli 2015 in Kraft trat, bekam die Bundesanstalt für Finanzdienstleistungsaufsicht (BaFin) zwar mehr Befugnisse; vor riskanten Angeboten ist der Anleger dennoch nicht gefeit. So schossen im Jahr 2014 knapp 80.000 Anleger ihr Kapital bei PROKON buchstäblich in den Wind, die Oil & Gas Invest AG sammelte Geld, um einen – bis heute nicht gefundenen – „Ölschatz“ im Wert von zehn Milliarden Euro zu fördern.

Immer wieder berichten geprellte Anleger, dass sie doch von einem kompetenten Finanzberater beraten wurden. Doch leider ist der Beruf des Finanzberaters nicht geschützt und auch der Glaube, dass die Hausbank Finanzprodukte maßgerecht zuschneidert, ist nichts als ein Glaube. Und viele Gläubige verloren schon ihren Glauben, nach dem aus vermeintlichem Gewinn tatsächlicher Verlust wurde.

Verbraucherschützer sind sich einig: Noch immer werden zu wenige Wirtschaftsdelikte angezeigt und noch immer finden sich zu viele Anleger mit ihren teils enormen Finanzverlusten ab. Das mag daran liegen, dass es keine Angelegenheit von Heute auf Morgen ist, wenn Schadensersatzansprüche oder Rückabwicklungen vor Gericht durchgesetzt werden müssen. Doch auch hier gilt: Wer nicht kämpft hat, schon verloren.

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